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  Die erste Omnibus-Baureihe der Welt von Daimler
Geschichte   Die erste Omnibus-Baureihe der Welt von Daimler
11.09.2008 von admin


Spektakuläre Aufträge: Zwei weitere Doppeldecker für London

Über die Stückzahlen dieser ersten Omnibusserie ist ebenso wenig bekannt wie über die Mehrzahl der frühen Kunden. Überliefert sind nur spektakuläre Aufträge, die oft genug über das Serienprogramm hinausgehen, aber auch die Problematik des anfänglichen Linienverkehrs beleuchten.

So ist das Interesse in London nach den guten Erfahrungen mit dem ersten Doppeldecker nicht erlahmt. Wie die Zeitschrift „Autocar“ am 30. September 1899 vermeldet, sollen zwei Omnibusse „ihren Betrieb am nächsten Montag aufnehmen und zwischen Kensington und dem Victoria-Bahnhof verkehren […], und zwar über die Westminster Bridge und dann die Victoria Street hinunter. Die Strecke wurde in kluger Weise ausgewählt, da die Straßen überwiegend Holzpflasterung besitzen und die steilsten Steigungen die Auffahrten auf die Westminster Bridge von beiden Seiten aus sind.“

Es handelt sich wiederum um Doppeldeckerbusse, die nun sogar 26 Fahrgästen Platz bieten. Ob die Befürchtungen hinsichtlich des Steigungsvermögens berechtigt sind, erscheint fraglich - immerhin sind die beiden Busse bereits mit den neuen Vierzylindermotoren ausgestattet, die Daimler seit Juni 1899 alternativ zu den Zweizylindern anbietet. Der stärkere der beiden Vierzylinder mit einer Nennleistung von 12 bis 16 PS (8,8 bis 12 kW) kostet allerdings gegenüber dem 10 bis 12 PS (7,4 bis 8,8 kW) starken, größten Zweizylinder einen Aufpreis von stattlichen 3100 Mark.


Daimler-Doppeldeck-Omnibus Typ Imperial, 1899

Ein Bus für Stockholm

Was es hingegen mit der Bevorzugung holzbeplankter Straßen auf sich hat, illustriert ein Auftrag aus Stockholm. Auf die DMG-Omnibusse werden die Schweden aufmerksam, als König Gustaf 1899 einen Pkw aus Bad Cannstatt erwirbt. Als der eisenbereifte, voll besetzt vier bis fünf Tonnen schwere Bus dann allerdings über das Katzenkopfpflaster der Stockholmer Drottninggatan holpert, wackeln in den Häusern die Wände. Auf Beschwerden von Anwohnern und Hausbesitzern kommt der Betrieb zum Erliegen.

Fünf Postbusse für Speyer

Am 1. Februar 1899 gründet sich in Speyer ein Verkehrsbetrieb in der Absicht, mehrere Buslinien einzurichten, die neben dem öffentlichen Personennahverkehr auch die Postbeförderung übernehmen sollen. Erst am 10. Dezember beginnt dann allerdings der Linienverkehr auf vier Strecken, die zwischen sieben und 14 Kilometer lang sind.

Die fünf Fahrzeuge, die Daimler zu diesem Zwecke nach Speyer liefert, übertreffen in Maßen, Gewicht und Fassungsvermögen die gängigen Serienmodelle. Sie sind 5,60 Meter lang, 2,80 Meter hoch und 1,80 Meter breit und bringen leer ganze vier Tonnen auf die Waage. 14 Fahrgäste finden sitzend im Inneren der Karosse Platz, bis zu zehn weitere stehend innen und auf der Heckplattform. Als Antrieb dient gleichwohl nur ein 10 PS-Zweizylindermotor (7,4 kW).

Die fünf Busse sind mit Eisenreifen ausgestattet. Erst 1904 wird ein Fahrzeug mit Vollgummireifen bestückt, die allerdings sehr oft gewechselt werden müssen. Denn Vollgummireifen leiden unter hohem Verschleiß. Die Luftbereifung ist zwar bereits erfunden, taugt aber bei weitem noch nicht fürs Nutzfahrzeug. Dem Kunden bleibt nur die Wahl zwischen dem hohen Verschleiß der Gummireifen und den wenig kommoden, wenn auch dauerhaften Eisenbeschlägen.


Der Speyerer Wagenpark und seine Fahrer


Fotos:
Daimler AG
Text:
Daimler AG


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