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  MAN feiert 150 Jahre von Rudolf Diesel
Jubiläen   MAN feiert 150 Jahre von Rudolf Diesel
14.03.2008 von admin



Der zweite Weltkrieg – Standardisierung und Rüstungsproduktion

Im Jahr 1938 läuft auf Anordnung des Heereswaffenamtes die Produktion des Einheitsdiesels an, der von MAN, Henschel und Humboldt-Deutz konzipiert wurde. Dahinter stehen die Bemühungen der Wehrmacht, die Vielfalt der Lkw-Typen zu reduzieren. Von MAN fordern die Behörden die Produktion eines 4,5- und 6,5-Tonners. Doch der Schwerpunkt der Rüstungsproduktion liegt im Bau von Panzerkampfwagen – später wird der Bau von Lastkraftwagen und Omnibussen mit der Ausnahme der Ersatzteilefertigung in Nürnberg eingestellt. Unabhängig von der Fertigung betreibt MAN die Entwicklung besonders leistungsfähiger Dieselmotoren. Gemeinsam mit einem Partnerunternehmen wird ein luftgekühlter V16-Dieselmotor präsentiert, der mit Abgasturbolader bei 2.200 Umdrehungen sagenhafte 900 PS leistet und ein sensationelles Leistungsgewicht von nur 1,7 Kilogramm aufweist. Der für das Militär entwickelte 4,5-Tonner, er heißt SML, wird zum Prototypen eines modernen Kurzhauber-Lkw. Er wird zur Basis für die Nachkriegsproduktion. Besonders ist das Heereswaffenamt ist vom 110 PS starken Direkteinspritzer angetan, der nach dem G-Verfahren arbeitet – gegenüber seinen Wettbewerbern spart er bis zu sechs Liter auf 100 Kilometer.

Die Nachkriegszeit – aus Schutt und Schrott zum Wirtschaftswunder

Am 16 April 1945 beschlagnahmt die einrückende US-Armee die Reste des MAN-Werks in Nürnberg. Hier sind die Kriegsschäden besonders groß: 70 Prozent der Gebäude sind vernichtet, die übrigen mehr oder weniger beschädigt. Dennoch rollen schon Ende 1945 die ersten 4,5-Tonner des Typs ML 4500 aus den provisorisch reparierten Hallen, 1946 sind es bereits 129 Einheiten. Unter der kurzen Haube der Zweiachser arbeiten Reihensechszylinder, die mit G-Verfahren 110 und 130 PS leisten und voll beladen auf 100 Kilometer nur 18 Liter Dieselkraftstoff verbrennen.

Bereits 1950 präsentiert MAN mit dem F8 den ersten Nachkriegs-Schwerlastwagen. Herzstück des imposanten 10-Tonners (10 Tonnen Nutzlast) ist der erste wassergekühlte V8-Lkw-Diesel Deutschlands, der aus 11,6 Liter Hubraum 180 PS holt und damit auch für schwerste Lastzüge gut gerüstet ist. So großzügig wie die Motorisierung ist auch sein Fahrerhaus, das besondere F8-Designmerkmal sind die in die Kotflügel integrierten Scheinwerfer.

1951: Der erste Lkw-Diesel mit Turboaufladung

Zur IAA 1951 in Frankfurt überrascht MAN die Fachbesucher mit dem ersten deutschen Lkw-Motor mit Abgasturboaufladung. Diese Technologie, die sich bereits bei Schiffsmotoren, Lokomotiven und stationären Dieselmotoren durchgesetzt hat, erlaubt es, mit mehr eingespritztem Kraftstoff höhere Leistungen zu erzielen und die eingesetzte Energie besser zu nutzen. Der Sechszylinder des MAN-Zweiachsers MK 26 heißt D 1546 GT, statt üblicher 130 PS holen die Techniker aus 8,72 Litern Hubraum 175 PS - die Leistungssteigerung durch Aufladung beträgt bemerkenswerte 35 Prozent. Doch noch bleibt der aufgeladene Sechszylinder ein Prototyp – seine Technologie freilich ist zukunftsweisend und kommt heute bei jedem Fahrzeugdieselmotor zum Einsatz.


Ein 6-Zylinder MAN Diesel-Motor auf dem Prüfstand im Nürnberger MAN Werk

Abgasturboaufladung

Ein Abgas-Turbolader dient der Leistungssteigerung von Kolbenmotoren, die durch eine Erhöhung des Kraftstoff-Luft- Gemischdurchsatzes pro Arbeitstakt möglich wird. Als Erfinder gilt der Schweizer Alfred Büchi, der bereits im Jahr 1905 ein Patent darauf anmeldete. Turbolader nutzen den Abgasenergieverlust von Verbrennungsmotoren – beim Verlassen des Zylinders besitzen die Abgase aufgrund der hohen Temperatur noch eine hohe Restenergie. Dabei nutzt eine im Abgastrakt integrierte Turbine die im schnell strömenden Abgas enthaltene Energie zum Antrieb des im Ansaugtrakt montierten Verdichters, der komprimierte Ansaugluft in die Verbrennungsräume schaufelt. Damit steht mehr Sauerstoff für die Verbrennung einer größeren Kraftstoffmenge zur Verfügung. Mit dem Mitteldruck steigt auch das Drehmoment des Motors – seine Leistung erhöht sich. Die Aufladung steigert den Gesamtwirkungsgrad des Motors. Heute erzielen kleinere Turbodiesel-Motoren weit höhere Leistungen als die großvolumigen Saugmotoren vergangener Tage – Spitzenwerte von 48 PS pro Liter sind für moderne Nutzfahrzeug-Turbodiesel (MAN D0836) keine Seltenheit mehr.

1953: Das M-Verfahren kultiviert den Diesel

Dieses Prinzip, das ab 1954 bei allen MAN-Motoren Verwendung findet, geht auf die Entwicklungsarbeiten des promovierten Ingenieurs Siegfried Meurer zurück. Seit 1938 bei MAN beschäftigt, leitet er ab 1950 die Forschungsabteilung für schnell laufende Dieselmotoren. Das neue Mittenkugel-Verfahren mit der Bezeichnung M – die übrigens das Verfahren beisteuert und nicht der Nachname seines Erfinders - entsteht durch ein intensives Studium der Reaktionskinetik und der Mikrovorgänge im Verbrennungsraum. Die weiche Verbrennung des M-Motors vergleichmäßigt die Umsetzung von Wärme- und Druckenergie. Der Motor besticht durch seine Elastizität, seine Abgase sind sauberer. Und weil der Kraftstoff besser verbrennt, werden höhere spezifische Leistungen möglich. Nicht zuletzt erweist sich der M-Motor als ziemlich unempfindlich gegenüber Kraftstoffen: er verdaut vom Leichtbenzin bis zum Schmieröl und überzeugt die Einkäufer der Bundeswehr, die 1955 einen Großauftrag über 35.000 Lkw der Fünftonnenklasse vom Typ 630 L 2 AE mit Vielstoffmotor platzieren. Sein Reihensechszylinder hat 8.276 cm³ Hubraum, seine Leistung bleibt mit 135 PS moderat.


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