Geschichte
Theodor Pekol
07.05.2007 - 16:44

Theodor Pekol
Theodor Pekol war ein Omnibusunternehmer in Oldenburg. Bekannt wurde er jedoch mehr durch seine Omnibuskonstruktionen, obwohl er eigentlich im Omnibusbau ein Außenseiter war.

Sein erstes Unternehmen war eine Gaststätte mit angeschlossenem Gemischtwarenhandel. Doch der Krieg machte weitere Pläne in dieser Richtung erst einmal zunichte. Pekol wurde eingezogen und im technischen Dienst als Fahrlehrer eingesetzt. Sofort nach dem Krieg eröffnete er eine Omnibuslinie für den Arbeiterverkehr. Grundlage war ein Lkw-Fahrgestell aus Kriegsbeständen auf das ein Holzaufbau gesetzt wurde. Doch schon bald eckte er mit dieser Linie bei der Post an, die diese Linie lieber selbst betreiben wollte. Doch trotz einiger juristischer Kniffe, kam er nicht drumherum, eine "ordentliche" Liniengenehmigung zu beantragen. Diese erhielt er 1920. Daraufhin wurde der Mittelpunkt des Betriebes nach Jever verlegt, wo auch Hallen und eine Werkstatt zur Verfügung standen.

Theodor Pekol - 1888 - 1958

Das Unternehmen lief gut und es wurden weitere Linien eingerichtet. 1932 trat die Stadt Oldenburg an Pekol heran, damit er die "Bremer Vorortbahnen-Gesellschaft" übernehmen soll. Nach langen Verhandlungen geschah dieses und Pekol führte den Betrieb unter dem neuen Namen "Oldenburger Vorortbahnen" weiter.

Doch mit diesem Betrieb hatte er anfangs große Probleme. Zum einen war den Fahrgästen der Tarif von 35 Pfennig für Erwachsene und 20 Pfennig für Kinder zu hoch, er wurde dann gesenkt auf 20 Pf für Erwachsene und 10 Pf für Kinder, zum anderen erwiesen sich die übernommenen Fahrzeuge als zu klapprig und zu teuer im Unterhalt. Das führte soweit, dass der Betrieb teilweise eingestellt werden musste. Also wurde rationalisiert und die Benzinschlucker gegen Dieselomnibusse ausgetauscht. Damit war ein rationeller Betrieb gewährleistet und konnte bis heute aufrechtgehalten werden.

Parallel dazu ging Pekol auch noch einen anderen Weg. Er begann sich Gedanken über den Omnibusbau zu machen. Als ihm vorgeschlagen wurde ein O-Bus-Netz einzurichten, tat er das, indem er bei Mercedes 7 Busse in Leichtbauweise nach seinen Vorschlägen bauen ließ.

Doch auch bei den Bussen mit Dieselmotoren wollte er vom herkömmlichen Bau abgehen. Pekol hatte erkannt, dass die Busse auf Lkw-Chassis mit vorne liegendem Motor die Vorderachse zu sehr belasteten. Befanden sich dann noch die Mehrzahl der Fahrgäste im vorderen Teil des Busses, kam es zum Bruch der Vorderachse. Als Konsequenz dieses Problems wollte er den Motor nach hinten ins Heck verlegen. Doch gegen diese Idee sperrten sich die Hersteller. Doch letztendlich konnte sich Pekol mit seinen Ideen durchsetzen und 1939 wurden die ersten vier Omnibusse mit Heckmotor gebaut. Aber nicht nur der Motor, auch der Aufbau müsse verbessert werden, war die Meinung von Pekol. In der Karosseriefabrik Traugott Golde fand er dafür den richtigen Partner. Golde hatte von Arquint Patente erworben und baute auf das Fahrgestell das sogenannte Arquint´sche Stahlgerippe. Dieses wurde mit Stahlblech beplankt und erbrachte eine Gewichtsersparnis von annähernd zwei Tonnen. Doch Pekols Ansätze blieben bis nach dem zweiten Weltkrieg ohne Resonanz. Man setzte weiterhin auf Lkw-Fahrgestelle, auf die Karosserie nach herkömmlichen Verfahren aufgebaut wurde. Die vier Heckmotor-Busse wurden von der Wehrmacht beschlagnahmt und blieben nach dem Krieg verschollen.

Nach dem zweiten Weltkrieg begann auch für Pekol der Wiederaufbau. Erste Schritte waren daher selbstkonstruierte Omnibus-Anhänger, die Pekol auch an andere Busunternehmer verkaufte.

1951 meldete Pekol dann eine neue Konstruktion zum Patent an: Einen Omnibus mit Einzelradaufhängung und Heckmotor, wobei Motor, Getriebe und Differential zu einem Block zusammengefügt sind. Dieser Bus ist als Urvater einer Reihe ähnlicher Busse zu sehen. Als Folge dieser Patentanmeldung entstand der P 3 bzw. der P 30 (Pekol 30 Fahrgäste).

Der Heckmotor-Bus von Pekol


Pekol-Schnellbus "P 30" - 1951

Waren der P 3 bzw. der P 30 noch mit einem Mercedes OM 312 ausgerüstet, bekam der spätere P 20 einen Henschel-Motor 512 DJ.

Da Henschel keine Unterflurmotoren liefern konnte, wurden die angelieferten 512 DJ-Motoren in Pekols eigener Werkstatt zu horizontal liegenden Einheiten umgebaut.

Doch Pekol experimentierte weiter. Als Ergebnis stellte er 1954 seinen "Leicht-Linienbus" mit im Heck stehenden Henschel-Motor vor. 4 Stück davon werden von Pekol in Aluminium-Leichtbauweise gebaut, weitere 20 von Kässbohrer.

Innenansicht des P 30

Diese bauen das Fahrzeug unter der Bezeichnung "Setra SP", wobei das "P" für Pekol steht. Später ging dieser Bus als Setra ST 110 bei Kässbohrer in Serie. Es ist bis heute der einzige Bus, bei dem die Nutzlast höher war, als das Eigengewicht.


Setra SP - 1954

Doch neben den Linienbussen baute Pekol 1956 noch den P 60 als Reisebus. Er verfügte über den Henschel 522 DPU mit 125 PS. Zwölf Stück dieses Typs wurden von Pekol auf die Räder gestellt. 1957 folgte die weiterentwickelte Version P 75 von dem ebenfalls 12 Stück gebaut wurden.

1958 stirbt Theodor Pekol. Mit seinem Tode endet sämtliche Konstruktions-Aktivität bei der Firma. 1986 geht die Firma in den Besitz der Stadt Oldenburg über.


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