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Neoplan Cityliner
07.05.2010 - 22:00

Neoplan Cityliner
  • Vorgestellt 1971 auf der 20. Omnibuswoche in Monaco
  • Durchbruch des Reisehochdeckers auf dem internationalen Markt
  • Erfolgreichstes Neoplan Modell aller Zeiten mit über 7.000 Einheiten
  • Heute ein Klassiker

Der Ur-Cityliner 1971 – als Stadrundfahrtbus konzipiert

Es gibt nicht viele Omnibustypen die von sich behaupten können, sofort vom Markt angenommen und zu einem Klassiker zu werden. Der 1971 von Neoplan vorgestellte Cityliner gehört zweifelsohne dazu.

Vorgestellt wurde der Bus als „Intercityliner“ mit der Typenbezeichnung N 116. Doch der Name Intercityliner musste auf Drängen der Deutschen Bundesbahn, die den „Intercity“ betreibt, geändert werden. Ab 1974 wurde die Baureihe Cityliner genannt. Geplant und konzipiert war er am Anfang, wie seinerzeit der „DoLux“, als Bus für Stadtrundfahrten. Deshalb verfügte er unter den hochgezogenen Seitenscheiben zusätzlich noch über kleine Seitenfenster, die einen besseren Ausblick ermöglichen sollten. Außerdem war das Dach nicht geschlossen, sondern mit drei großen Schiebedächern ausgestattet. Ansonsten wies er aber schon alle Merkmale auf, die den zukünftigen Reisehochdecker auszeichnen sollten.


Der Ur-Cityliner 1971 – auf dem Weg zur internationalen Omnibuswoche in Monaco.

Das vorgestellte Konzept mit viel Kofferraumvolumen und Komforteinrichtungen wie Toilette, Waschgelegenheit und Bordküche, war nicht neu. Schon zuvor hatten andere Hersteller solche Busse gebaut, die sich allerdings auf dem europäischen Markt noch nicht durchsetzen konnten, weil offenbar kein Bedarf an solchen Fahrzeugen bestand.

Inzwischen hatte sich aber der Geschmack des Publikums geändert und die Koffer der Fahrgäste waren auch immer größer geworden, so dass sich die Busunternehmer gezwungen sahen, für den Fernreiseverkehr nach Alternativen zu suchen. In diese Lücke stieß nun der Cityliner. Die Busbranche hatte sofort erkannt, dass der Bus alle Voraussetzungen erfüllte um als Reisebus für Fernreisen eingesetzt zu werden. So war es kein Wunder, das dem vorgestellten Stadrundfahrtbus alsbald die Reiseversion folgte.


In diesem Schnittbild werden die Vorzüge des neuen Hochdecker-Konzeptes beim Cityliner deutlich: beste Sicht und viel Kofferraum

Auch für den Fahrer änderte sich im Cityliner einiges. Saßen er und der Beifahrer bisher auf einer Höhe mit den Fahrgästen, so waren beide nun tiefer angebracht. Das ermöglichte den Fahrgästen auf den vorderen Sitzplätzen eine ungehinderte Sicht nach vorne. Für den Fahrer selbst wurde die Sicht besser, weil nicht mehr eine geteilte Frontscheibe sein Sichtfeld einengte, sondern eine ungeteilte Frontscheibe eine gute Rundumsicht ermöglichte.


Der Fahrerplatz im Cityliner

Bei den ersten Citylinern war das Dach noch gewölbt und die Stufe im Dach bis nach vorne gezogen worden. Die Aussichtsscheibe war geteilt und nur von einem schmalen Steg von der Frontscheibe getrennt. Alle stilistischen Merkmale erinnerten bis dahin an den Typ „Hamburg“.

Doch schon im Jahr 1971 „verschwand“ die Dachwölbung und der vordere, geneigte Fensterholm wurde verbreitert. Wie damals üblich, war der Bus noch mit einer Hecktür ausgestattet.


Cityliner N 116 als Fernreise-Hochdecker in der Bauform bis 1973. Die Breitbandscheinwerfer wurden später nachgerüstet.

Bereits zwei Jahre nach seinem Erscheinen erfuhr der Cityliner 1973 weitere relevante Detailveränderungen. Anstatt sieben Seitenscheiben besaß er nun „nur“ noch deren sechs, die obendrein nicht mehr in einem Gummirahmen eingefaßt, sondern geklebt waren. Die obere Aussichtsscheibe war nun ebenfalls einteilig und der vorderste geneigte Fensterholm war schmaler geworden. Dafür erhielt er links und rechts, das typische trapezförmige Seitenfenster über der Tür bzw. dem Seitenfenster des Fahrers. In der Stoßstange waren nun statt der vier senkrecht stehenden Scheinwerfer zwei waagerecht stehende Breitbandscheinwerfer angebracht. Außerdem wurde der zweite Einstieg in die Mitte verlegt.


Der Cityliner im Jahre 1973

Gleichzeitig mit den Detailänderungen wurde auf der Omnibuswoche in Nizza der erste dreiachsige Cityliner vorgestellt. Bei der dritten Achse handelte es sich, wie beim Skyliner, um eine selbstspurende Schleppachse. Sie wurde erforderlich, weil es bei dem Einbau von Komforteinbauten wie Klimaanlage, Doppelverglasung, Dauerbremse etc. zu Problemen mit dem zulässigen Gesamtgewicht, was seinerzeit bei 16 t lag, gekommen war.


Der erste dreiachsige Cityliner im Jahre 1973

Neben den hier angebotenen Cityliner-Modellen, gab es aber auch noch Sonderanfertigungen für den Export. So zum Beispiel einen 14.380 mm langen Cityliner mit der Typenbezeichnung N 118/3.


Der Cityliner N 118/3

Viele der besonderen Versionen und Längen des Cityliner gingen in der Zeit von 1977-1979 nach Japan, wie dieser N 116/3 vor dem Werk in Stuttgart, der mit einer Rechtssteuerung ausgestattet war.


Der Cityliner N 116/3 für den Export nach Japan

Neben den serienmäßigen und den Modellen für den Export, gab es auch Einzelanfertigungen nach Kundenwünschen. Der Amerikaner Ray A. Croc, Gründervater der Restaurantkette McDonalds, betraute die Spezialisten von Neoplan mit der Anfertigung eines exklusiven Sondermodells. Der mit einer besonders komfortablen Innenausstattung – wie zum Beispiel Vis-a-Vis Sitzgruppen – versehene Cityliner N 116, bot bis zu 14 Fahrgästen ein Reiseerlebnis auf höchstem Niveau. Die Liebe zu seinem Neoplan ging sogar soweit, dass Croc in seinem Testament verfügen ließ, der Bus dürfe nach seinem Tod nicht verkauft werden. So befindet sich dieses Exklusivmodell heute als Dauerleihgabe im Auwärter Museumsbestand und wurde im Jahr 2008 auf der MAN 250 Jahre Oldtimer-Tour als VIP Shuttle eingesetzt.


Der Cityliner N 116/3 für Ray A. Croc

Auf der Deutschen Industrieausstellung 1978 in Berlin hatte dann ein neuer Typ Premiere. Es handelte sich um einen Cityliner in einer 18 m langen Gelenkbus-Version mit der Typenbezeichnung Highliner N 120/4.


Der erste Neoplan Highliner.

Das besondere an diesem Bus war die Aufhängung der beiden mittleren Achsen. So waren im Vorderwagen die zwei Achsen vertauscht. Die vordere war eine einfachbereifte Vorlaufachse mit Einzelradaufhängung und die Antriebsachse hing nicht in dem üblichen Dreiecksfahrschemel, sondern in einem kürzeren sogenannten fliegenden Fahrschemel mit konventioneller Längs- und Querlenkerführung. Der Grund für diese technische Anordnung war der eingebaute Unterflur-Mittelmotor und die Länge der Kardanwelle.


Neoplan Highliner N 120/4.

Ab dem Herbst 1979 erhielt der Cityliner anstelle der bisherigen Edelstahl-Stoßstange eine schwarze Stoßstange aus GFK. Zur IAA 1981 wurde ein neues Design vorgestellt. So erhielt die untere Frontscheibe eine leichte Neigung nach vorne. Dafür wurde die obere Scheibe weiter nach hinten geneigt. Die Scheibenwischer wurden versenkt und die Unterkante von Tür- und Fahrerfenster ging schräg nach oben.


Neoplan Cityliner in der Ausführung ab 1981.

Natürlich gab es auch wieder eine Dreiachs-Version, bei der die neuen Merkmale ebenfalls übernommen wurden.


Neoplan Cityliner N 116/3 in der Ausführung ab 1981.

Zum 50jährigen Firmenjubiläum im Jahre 1985 wurde der Bus fast komplett neu überarbeitet. Zugunsten eines besseren Luftwiderstandes verschwand die vordere Dachhutze und die obere Frontscheibe wurde noch stärker geneigt und verlief unmittelbar in die Dachwölbung. Die Stoßstange verlief nun rund um das Fahrzeug und war energie-absorbierend gestaltet. Die Fensterholme bildeten mit der Verglasung nun eine Einheit. Auffallend waren auch die kleinen Scheinwerfer von Bosch, PES (Poly-Ellipsoid-System) genannt.

Desweiteren besaß der Bus nur noch fünf statt der bisherigen sechs Seitenscheiben, dafür wurde das bisherige Trapezfenster vergrößert und als Seitenscheibe gestaltet. Außerdem erhielt der Bus eine dreieckige Seitenscheibe hinter der Tür und auf der Fahrerseite.


Neoplan Cityliner N 116/3 - 1985.

Auch innen wurde einiges geändert. Es ging nun sachlicher und nicht mehr so verspielt zu.


Neoplan Cityliner N 116/3 - Innenansicht.

Gleichzeitig mit der neuen Version wurde der Cityliner auch in den Längen von 9 m und 10 m angeboten. Die 9 m-Version war hierbei speziell für Japan vorgesehen, um deren Lizenzanforderungen zu erfüllen.


Neoplan Cityliner N 113/2 mit einer Länge von 10,4 m.

Anfang der 90er Jahre konnte Neoplan dann den 3.000sten Cityliner ausliefern. Der Jubiläumsbus ging im Rahmen einer größeren Lieferung an die Firma BEX in Berlin.


In der dritten Generation mit Kunststoffstoßfänger erlebte der Neoplan Cityliner Anfang der 90er Jahre seine 3.000ste Auslieferung als N 116/2

Inzwischen wurde der Cityliner auch in zwei verschiedenen Höhen angeboten. Einmal als N 116/2 mit einer Höhe von 3.600 mm und einmal als N 116/2 H mit einer Höhe von 3.760 mm. Im Jahr 1993 wurde die Langversion des Neoplan Cityliner als N 118/3 H, später dann als N 116/3 HL vorgestellt.


Neoplan Cityliner N 118/3 HL, hier ein Modell des türkischen Importeurs Ulusoy

1994 wurde wieder des Design geändert. Das „neue Gesicht“ des Cityliners lehnte sich an dem Neoplan MIC an und wurde erstmals bei dem Transliner realisiert. Hinter einer aus GFK gefertigten Verschalung befand sich nun ein Rammschutz aus Stahlrohr. Die Scheinwerfer konnten ausgeklappt werden, was den Birnenwechsel wesentlich vereinfachte.


Der „neue“ Cityliner von 1994

Zum 60-jährigen Jubiläum der Marke Neoplan wird 1995 eine Platin Edition des Cityliner mit allem erdenklichen Luxus aufgelegt. Die limitierte Edition umfasste 60 Busse und die Ausstattung enthielt unter anderem ein GPS-Navigationssystem, ein Abstandswarnsystem und ein Park-Distance-Control.


Der Cityliner als Platin Edition 1995

Neben den serienmäßigen Modellen wurden auch weiterhin Sonderanfertigungen nach Kundenwünschen gebaut. Stellvertretend hier ein Modell des N 116/3 H mit ansteigender Theaterbestuhlung.


Neoplan Cityliner N 116/3 H mit Theaterbestuhlung.

Im Jahre 2000 erhielt der Cityliner nochmals ein umfangreiches Facelifting. Auf den ersten Blick äußerlich zu erkennen, die kleinen Neoplan-typischen Rundscheinwerfer und die dem Star- und Euroliner angepasste V-förmige Heckscheibe.

Im Innenraum dagegen wurde wesentlich mehr geändert. Nun erhielt der Cityliner auch die sogenannte Jet-Decke mit geschlossenen Gepäckfächern wie im Flugzeug. Der Fahrerplatz erhielt nun ein Instrumentenfeld mit Zentraldisplay. Lieferbar war der neue Cityliner ab April 2001.


Neoplan Cityliner N 116 in der Ausführung ab 2001.

Den Cityliner N 116 gab es inzwischen in 4 Ausführungen: Als Cityliner mit zwei Achsen, einer Länge von 12 m und einer Höhe von 3,62 m. Als Cityliner H mit drei Achsen, einer Länge von 12 m und einer Höhe von 3,78 m. Als Cityliner HC mit drei Achsen, einer Länge von 12,84 m und einer Höhe von 3,78 m und als Cityliner HL mit drei Achsen, einer Länge von 13,70 m und einer Höhe von 3,78 m.


Das neue Heck des Cityliner.

Um die unterschiedlichen Merkmale der einzelnen Typen zu sehen, hier die Rißzeichnungen der einzelnen Fahrzeuge:


Im Jahre 2006 brachte Neoplan den Cityliner Edition 2006 auf den Markt. Zuerst als Neoplan Cityliner, später dann die Ausführung Cityliner HC. Auch diese Auflage war limitiert und verfügte über eine reichhaltige Zusatzausstattung wie z.B. Metallic-Lackierung, Aluminiumräder, DVD-Spieler, Navigationssystem. Optional 2. Kühlschrank und Telefon, die im Grundpreis von 275.000 Euro enthalten war.


Der Neoplan Cityliner – Edition 2006

Doch Insider wussten, das war das Zeichen, dass es demnächst wohl einen völlig neuen Cityliner geben wird. Aber bis dahin hielt dieses Modell erst einmal die Stellung.


Der Neoplan Cityliner HC – Edition 2006

Auf der IAA 2006 war es dann soweit: Neoplan stellte den von Grund auf neu entwickelten Cityliner dem Publikum vor. Der Bus erregte großes Aufsehen und erhielt im gleichen Jahr den internationalen Designpreis „red dot: best of the best“.Die Typenbezeichnung lautete bei der Vorstellung Cityliner N 1216 HD.


Der Neoplan Cityliner N 1216 HD bei seiner Vorstellung.

Auf den ersten Blick sah man, dass der neue Cityliner im Design dem Starliner angepasst war. Doch nicht nur das, Bauteile wie Bugschürze, Heckklappe, Klappengriffe und Seitenscheiben stammten vom Starliner.


Der Neoplan Cityliner N 1216 HD bei seiner Vorstellung.

Anfang gab es den Cityliner nur als zweiachsigen Bus mit einer Länge von 12,24 m. Ein Jahr später folgte der Cityliner C mit einer Länge von 12,99 m. Ja Sie lesen richtig: Bei der Typenbezeichnung hatte sich wieder etwas geändert. Statt Cityliner HD hieß es nun Cityliner und statt HDC nur noch Cityliner C.


Der Neoplan Cityliner C im Jahre 2007.

Im Jahre 2008 folgte dann noch der Cityliner L mit einer Länge von 13,99 m. Damit war die Baureihe des Cityliners komplett. Gegenüber seinem letzten Vorgänger gibt es nun nur noch drei Typen, wobei die Typen C und L in unterschiedlicher Höhe zu haben sind (3.682 mm oder 3.720 mm inkl. Klimaanlage).


Der Neoplan Cityliner L im Jahre 2008.

2010 begeht Neoplan 75 Jahre Busbauer "Spirit" und "Bewegende Ideen" mit einem limitierten Sondermodell "Spirit Edition", das neben allen Sicherheitsmerkmalen auch eine exklusive Neoplan Individual Ausstattung bietet.


Neoplan Cityliner der „Spirit“-Edition.


Technische Daten - Neoplan Cityliner N 116/2 (Typenblatt)

Fotos:
MAN Nutzfahrzeuge Gruppe
Omnibusarchiv


admin


gedruckt am 18.06.2019 - 04:58
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