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Mercedes O 303 *
10.05.2008 - 00:00

Mercedes O 303
  • Vorstellung 1974 auf dem Auto-Salon in Paris
  • Entwicklung entstand am Computer
  • Direkt als Baukastensystem ausgelegt


Der neue O 303 – Noch mit geteilter Windschutzscheibe und geteilten Drucklufttüren

1974 stellte Mercedes auf dem Auto-Salon in Paris seinen neuen Omnibus O 303 vor. Er löste damit den gut zehn Jahre alten O 302 ab und war eigentlich kein völlig neuer Bus, sondern eine konsequente Weiterentwicklung seines Vorgängers. Äußerlich modern gestaltet, ausgestattet mit modernster Sicherheitstechnik und mit einer Fülle von Detaillösungen bereichert, stellte der Bus trotzdem etwas Neues dar. Völlig neu war die technische Entwicklung: Vom ersten Federstrich an, war Kollege Computer mit beteiligt. So fußte die Konstruktion des Gerippes erstmals nicht allein auf Erfahrung und Wissen, sondern auch auf komplizierte Berechnungen. Von Anfang an wurde auch ein Baukastensystem aufgebaut, welches bei der Vorstellung sieben Typen zeigte. Intern war schon am Anfang die Rede von 39 Grundbaumustern


Das alte und das neue Bauprogramm


Die gesamte Baureihe 303 wurde mit Luftfederung ausgestattet. Die gab es bei dem Vorgänger auch, aber eine Stahlfederung wurde gar nicht mehr angeboten. Anfangs hatten alle Modelle noch die gleiche Bodenhöhe, dies änderte sich im Laufe der Weiterentwicklung aber. Bei der Bestuhlung konnte der Kunde zwischen 8 Modellen wählen. Zur Auswahl standen:

Modell
Beschreibung
LSLinien-Standard
LKLinien-Komfort
ASAusflug-Standard
ASSmit Seitenverstellung
AKAusflug-Komfort
AKSmit Seitenverstellung
ALAusflug-Luxus mit Seiten- und Rückenverstellung
RLReise-Luxus mit Seiten- und Rückenverstellung
nur für RHP/ÜHP

Die sieben Ausführungsvarianten wurden mit drei verschiedenen Busmodellen angeboten: RHP = Reisewagen/Podest, ÜHP = Überlandbus/Podest und ÜHE = Überlandbus/ebener Boden. Die Ausführungsvarianten waren wie folgt:

9 = 7-9 Reihen
10 = 7-10 Reihen
11 = 8-11 Reihen
12 = 9-12 Reihen
13 = 9-13 Reihen
14 = 10-14 Reihen
15 = 11-15 Reihen
Motor-Type
Bauart
OM 401
V 6
OM 401
V 6
OM 401
V 6
OM 401 - V 6
OM 402 - V 8
OM 401 - V 6
OM 402 - V 8
OM 401 - V 6
OM 402 - V 8
OM 403 - V 10
OM 401 - V 6
OM 402 - V 8
OM 403 - V 10
Leistung PS/kW
192 / 141
192 / 141
192 / 141
192 / 141
256 / 188
192 / 141
256 / 188
192 / 141
256 / 188
320 / 235
192 / 141
256 / 188
320 / 235
Abmessungen in mm
Länge
Breite
Radstand
Überhang vorn
Überhang hinten
8.678
2.500
4.150
2.040
2.488
9.237
2.500
4.521
2.040
2.676
9.993
2.500
5.083
2.040
2.870
10.173
2.500
5.083
2.040
3.050
10.556
2.500
5.381
2.040
3.135
11.293
2.500
5.623
2.535
3.135
12.000
2.500
6.330
2.535
3.135
Wendekreis Ø m
15,9
16,9
18,5
18,5
19,3
20,7
22,7
Gesamtgewicht (kg)
12.000
12.500
13.200
13.365 / 14.000
14.200 / 14.500
15.200
15.500


Heckansicht des neuen O 303. Wie man sehen kann, noch ohne Heckspoiler auf dem Dach

Der Aufbau des Busses wurde von Mercedes als „selbsttragender Karosseriekörper“ bezeichnet, aber „selbsttragend“ im Sinne wie z.B. bei Setra war das Gerippe nicht. Es bestand vielmehr aus einem Unterbau mit Aggregaten und einem Aufbaugerippe. Letzteres wurde dann auf den Unterbau aufgesetzt und beides miteinander verschweißt. Mercedes behielt diese Lösung bei, weil viele Karosseriebauer von Mercedes ein Fahrgestell mit Aggregaten erhielten, auf dem sie dann ihre Aufbauten errichteten. Mit der Lösung des Unterbaus konnte Mercedes den Karosseriefirmen die Basis für einen Omnibusaufbau, der auf dem O 303 basierte, liefern.


Der „Unterbau“ mit Aggregaten


Das Aufbaugerippe

Das Heizungs- und Lüftungssystem wurde ebenfalls verbessert. Die Frischluft wurde nun oberhalb der Windschutzscheibe angesaugt und bei Reisebussen über Belüftungskanäle mit Düsenregelung an die Sitzplätze geleitet. Außerdem hatten sie verschließbare Luftaustritte an den Seitenscheiben, um diese frei von Beschlag zu halten. Bei den Überlandlinienbussen erfolgte die Belüftung unter anderem über eine Perforation der Decke seitlich über den hochgezogenen Fenstern.


Das Lüftungsschema


Ansicht der Belüftung beim Überlandbus

Aus dem Armaturenbrett war nun Cockpit geworden. Als „technische Neuerung“ wurde herausgestellt, dass alle Schalter nun beleuchtet waren. Eine längst überfällige Einrichtung. Aber alles in Allem schon ein Fortschritt. Auch spendierte man dem Fahrer nun einen Sitz, der ergonomisch ausgeformt und neben der Höhen- und Neigungsverstellung auch in der Federhärte einstellbar ist. Aber hier endete auch schon die Großzügigkeit bei Mercedes. Alle anderen Annehmlichkeiten für den Fahrer waren aufpreispflichtig, wie: Einbauschrank in der Tür, elektrischer Fensterheber, Sonnenrollo an der Windschutzscheibe, beheizbare Außenspiegel, Scheinwerferreinigungsanlage oder eine verstellbare Lenksäule.


Der Fahrerplatz

1975 wurde die Baureihe um den Typ RHH erweitert. Hierbei stieg die Fußbodenhöhe nun auf 1.150 mm an. In der Folgezeit hieß er nur „der Hochboden“. Dieser Typ war nun auch in der Lage, entsprechende Ausstattung eingebaut, als 4-Sterne-Bus der Gütegemeinschaft Buskomfort e.V. eingestuft zu werden.


Der O 303 15 RHH

1979 wurde die Baureihe um weitere 3 Typen erweitert. Auf der IAA stellte man die Modelle O 303 ÜHH, O 303 RHS und den O 303 RHD vor. Der ÜHH wurde als 14 oder 15-Reiher, also in den Längen 11,29 m oder 12 m, angeboten. Der O 303 RHS (das S steht für Spezial) war eine Weiterentwicklung des RHH und wurde in den Längen 10,56 m, 11,29 m und 12 m angeboten. Serienmäßig wurde er mit dem neuen Motor OM 422 ausgerüstet, der 206 kW (280 PS) leistete. Der O 303 RHD war der neue Hochdecker im Programm. Seine Fußbodenhöhe lag nun bei 1.262 mm und seine Sitze waren auf 190 mm hohen Podesten angeordnet. Bei späteren Versionen wurde die Podesthöhe auf 180 mm abgesenkt. Der RHS sowie der RHD waren nun mit einer einteiligen Windschutzscheibe ausgestattet.


Die Bauhöhen bei ÜHH, RHS und RHD



Der O 303 15 RHD

Auch das Heizungs- und Lüftungssystem wurde völlig neu gestaltet. Der Fahrgastraum wurde nun über Bodenkanäle mit 4 Bodenheizgeräten geheizt. Zusätzlich mit zwei Dachheizgeräten. Frischluft und Umluft wurden über Deckenluftkänäle zugeführt. In der Serienausstattung arbeitete das Belüftungssystem mit Staudruck. Gegen Aufpreis war auch eine automatische Anlage, die elektronisch gesteuert wurde lieferbar.


Das Schema des neuen Belüftungssystems

Im Laufe der weiteren Jahre wurde in Kleinigkeiten noch am Design gefeilt und weitere technische Verbesserungen vorgenommen. Wichtigstes Detail: Die Einführung von ABS 1982. Im Großen und Ganzen aber war der Bus ausgereift. Lediglich das Programm wurde um die Modelle KHP, ÜHP und RHP erweitert.


Der O 303 10 RHS

Nachdem die Baureihe gestrafft und durch weitere Modelle ergänzt worden war, umfasste sie zum Schluß folgende Typen:


Kombi- und Linien-Omnibusse



Kombi-Ausflugs-Omnibusse



Club-Omnibusse



Spezial-Fernreise-Omnibusse



Hochdecker-Fernreise-Omnibusse




Doch auch für jedes so erfolgreiche Modell kommt einmal das Ende. Trotz optischer Tricks im bezug auf Lackierung, Sonder-Editionen und sonstiger Verkaufsförderungsmaßnahmen, der O 303 war in die Jahre gekommen. Dazu kam, dass der Verkauf der kleineren und niedrigeren Busse stetig abnahm. Daher war das Ende nicht mehr hinauszuschieben. 1992 lief der letzte O 303 symbolisch vom Band. Er war, wie die gesamten Produktionsanlagen, nach Rußland verkauft worden. Dort wurde dann schon 1994 die erste Serie produziert. Doch verstecken muss sich der O 303 nicht. 25.778 Komplettbusse wurden von dem Typ gefertigt. Dazu kamen 12.307 Fahrgestelle, die an Fremdaufbauer geliefert wurden.



Technische Daten - Mercedes O 303 – 15 RHH (Typenblatt)

Fotos:
Mercedes-Benz AG
Video-Clip:
Omnibusarchiv


admin


gedruckt am 26.10.2021 - 20:25
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