Ehemalige Bushersteller
Carl F.W. Borgward GmbH
21.06.2006 - 21:10


Carl F.W. Borgward GmbH
Die Fa. Borgward ging aus den Firmen Hansa-Lloyd und Goliath-Werke hervor. Carl Friedrich Wilhelm Borgward hatte 1931 diese Firmen aufgekauft und führte sie zunächst unter dem Namen Hansa-Lloyd weiter. Sein erstes erfolgreiches Gefährt war ein dreirädriges Fahrzeug das unter dem Namen "Blitzkarre" das Fahrzeug, der 20 ger Jahre wurde. 1938 folgten dann Lastwagen und Omnibusse auf 3- und 4,5-Tonnen-Fahrgestellen. Im gleichen Jahr verschwand dann auch der Name Hansa-Lloyd. Man firmierte nun unter dem Namen Carl. F.W. Borgward Automobil- und Motorenwerke GmbH. Mit Beginn des Krieges war Borgward stark in der Rüstungsindustrie engagiert.


Der dreirädrige Vorderlader, genannt „Blitzkarren“, mit einer Tragfähigkeit von 250 kg, begründete Borgwards Nutzfahrzeugherstellung.

Nach dem Krieg begann man bereits 1945 wieder mit der Produktion von Nutzfahrzeugen. Zunächst basierend auf der Vorkriegs-Konstruktion B 1000, die im Oktober 1949 von dem neuen Typ B 1250 abgelöst wurde. Mit einem längeren Radstand von 3.200 mm diente dieser dann auch als Basis für Omnibus-Aufbauten.


Eine Werbeanzeige aus dem Jahre 1949.

Eine weitere Erhöhung der Nutzlast führte zum Typ B 1500. Mit diesem Typ bot Borgward auch zum ersten mal eine Diesel-Version an. Weil das 1½-Tonner-Fahrgestell jedoch immer noch seinen ursprünglichen Lastwagen-Charakter hatte, wurde es nur selten für Reisebus-Aufbauten verwendet. Die meisten Aufbauten waren robusterer Natur für Busse, die im Werkverkehr eingesetzt wurden.


Borgward B 1500 D aus dem Jahre 1953.

Doch inzwischen stellte sich ein wachsender Bedarf an Reisebussen mit höherer Sitzplatzzahl ein. Hierfür bot sich nun das 1951 erstmals vorgestellte Fahrgestell B 2000 mit einem Radstand von 3.800 mm an. 1954 kam der 2½-Tonner-Typ B 2500 hinzu. Beide Modelle waren mit einem 60 PS Dieselmotor ausgestattet.

Es waren überwiegend die Karosseriebaufirmen, die Borgward-Omnibusse bauten. Borgward beschränkte sich überwiegend auf die Produktion von Pkw und Lastwagen. Nur wenige Komplettbusse wurden bei Borgward direkt gefertigt.


B 2000 mit Ludewig “Aero“-Aufbau, der 20 Fahrgäste an kleinen Tischen gegenüber sitzen ließ. Die Tischausstattungen wie Flaschenhalter und Aschenbecher wurden serienmäßig mitgeliefert.Baujahr 1952.


Ein Borgward B 2500 mit einem Aufbau der Firma Thiele aus dem Jahre 1955.

Um einen größeren Nutzraum zu bekommen, hatten bereits einige Aufbauhersteller die Fahrgestelle zu Frontlenkern umfunktioniert. Ab 1954 bot dann Borgward selbst das Frontlenker-Chassis B 2500 F an. Durch seinen verkürzten Radstand auf 3.400 mm bot es eine größere Wendigkeit bei gleichen Platzverhältnissen. Eine der ersten Firmen die auf diesem Fahrgestell aufbauten, war die Firma Ottenbacher. Bei dem Bus handelte es sich um einen 19 Sitzer-Frontlenker mit üppiger Dachverglasung und Schiebedach, der über die Borgward-Vertretungen angeboten wurde.


Ein B 2500 F von Ottenbacher 1954.

Der 3-Tonner B 3000 S war das Standard-Fahrzeug der Borgward-Kriegsproduktion. Folgedessen auch der erste Typ, der nach Kriegsende aus zusammengesuchten Altteilen wieder im Werk Bremen hergestellt wurde.

Das Fahrgestell B 3000 S wurde von der Fa. Clerck auf einen Radstand von 5.200 mm verlängert und als Omnibus-Niederrahmen-Chassis angeboten. Durch den Preßstahlrahmen mit Abwärtsknick und der Kröpfung über der Hinterachse kam man auf eine Einstiegshöhe von "nur" 45 cm. Eine zusätzliche Hilfsfeder, verbunden mit langen Hauptfedern sollte dazu beitragen, "dem Fahrgast auch auf längeren Fahrstrecken eine angenehme Reise zu bieten". So versprach es jedenfalls ein Prospekt. Die Fahrgäste der damaligen Zeit waren halt noch nicht so verwöhnt wie heute.


Borgward B 3000 mit Aufbau von Puppe auf Clerck-Volltiefrahmen 1949.

1951 stellte Borgward als Weiterentwicklung des 3-Tonner-Tiefrahmen-Fahrgestells das Niederrahmen-Chassis BO 4000 vor. Mit diesem Fahrgestell drängte Borgward in den Markt der größeren Omnibusse. Diesem Fahrgestell folgte 1953 das nutzlastverstärkte Modell BO 4500. Das Fahrgestell hatte eine Tragfähigkeit von 5.435 kg und ermöglichte Aufbauten bis zu einem Gesamtgewicht von 8.450 kg. Ab 1955 waren diese Fahrgestelle dann nicht mehr im offiziellen Lieferprogramm. Dafür gab es das 4,5-Tonner-Frontlenker-Chassis B 4500 F.

Die Motorleistung des 6-Zylinder-Diesel-Motors lag anfangs bei 85 PS, die bis 1957 auf 110 PS gesteigert wurden. Wie bereits vorher wurden auch jetzt wieder die Aufbauten von verschiedenen Aufbauern vorgenommen.


Kässbohrer-Aufbau auf BO 4000 von 1951.


Kässbohrer-Aufbau auf BO 4500 von 1952.

1959 folgte dann das letzte Fahrgestell, das BO 611 (als LkW B 1500 F). Es handelte sich um eine Neukonstruktion, wobei Erkenntnisse aus dem Personenwagen-Bau Pate standen. Vorderachse mit Einzelradaufhängung, Schraubenfedern und Teleskopstoßdämpfer. Lenkradschaltung und Hydraulik-Kupplung tragen zum Pkw-Charakter bei. Angetrieben wurde es von einem Borgward D 4 M 1,8 Dieselmotor mit 42 PS oder einem 4 M 1,5 Benzinmotor mit 60 PS. Auf dieses Fahrgestell wurde ein Kleinbus gebaut der 17 Fahrgästen Platz bot, davon 2 Klappsitze.


Borgward BO 611 als Standard-Ausführung.

Desweiteren gab es von diesem Modell noch eine Tropen-Ausführung und ein „De Luxe“-Modell. Letzteres unter anderem für den USA-Export. Die „De Luxe“-Ausführung war mit verchromten Schiebefenstern, beleuchteten Eingangsstufen, Weißwandreifen sowie verchromten Radzierblenden ausgestattet. Dazu kam ein mit Aluminium verzierter Dekorstreifen an der Mittellinie und ein blitzförmiger Seitenwand-Streifen.


Borgward BO 611 „De-Luxe“-Modell.

1961 wurde Die Fa. Carl F.W. Borgward GmbH wegen finanzieller Schwierigkeiten in eine AG umgewandelt, die im vollständigen Besitz der Stadt Bremen war. Die Firma wurde "abgewickelt" und 1963 gab es Borgward nicht mehr. Der ehemalige Besitzer überlebte diese "Abwicklung" nicht, er starb am 28. Juli 1963 an einer Herzattacke.


admin


gedruckt am 13.12.2018 - 21:05
http://www.omnibusarchiv.de/include.php?path=content&contentid=26