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Neoplan Megaliner - Megaspace - Megashuttle
22.02.2008 - 00:00

Neoplan Megaliner – Megaspace - Megashuttle
  • Ein neuer Großraumomnibus für Deutschland
  • Einstieg in die 15 m - Klasse

Zur AMI 1990 im ehemaligen Jugoslawien hatte die Firma Neoplan neben ihren anderen Omnibussen auch einen vierachsigen Doppeldecker mitgebracht. Er war für ein Omnibusunternehmen in Chile gebaut worden und nicht für europäische Straßen gedacht. Mit der Vorstellung dieses Busse wollte Neoplan die Diskussion um die gesetzliche Länge von Omnibussen neu entfachen.


Der vierachsige Loungeliner für Chile 1990 auf der AMI

Schon lange baute Neoplan Cityliner und Skyliner für andere Länder, die die hier geltende Höchstlänge von 12 m überschritten. Neben den Überseeländern Argentinien, Chile, Brasilien, Peru und den USA liefen solche Busse auch in Lybien, Saudi-Arabien, Schweden und Türkei. Besonders in Chile und Argentinien fanden solche Busse großen Anklang, wo sie als Langstrecken-Überlandlinienbusse Verwendung fanden. Weil auch in Schweden und der Türkei, somit in europäischen Ländern, Busse mit mehr als 12 m zugelassen waren fand Albrecht Auwärter, dass es an der Zeit war, über eine Änderung der StVZO nachzudenken.


Vierachsiger „Superskyliner“ für Chile, ca. 1975

Nachdem diese Diskussion nun losgetreten war, präsentierte Neoplan 1991 den ersten Megaliner, der die Typenbezeichnung N 128/4 erhielt. Im Gegensatz zu den ausländischen Modellen, wo nur die Vorderachsen gelenkt wurden, waren bei diesem Modell alle Achsen gelenkt, um die StVZO einzuhalten die besagt, dass die überstrichene Ringfläche mit einem äußeren Radius von 12,50 m eingehalten werden muss.


Der „Urvater“ des Megaliner – ein vierachsiger Doppeldecker aus den USA - 1981

Der neue Bus war 15 m lang, 2,50 m breit und 4m hoch. Angetrieben wurde er von einem Mercedes OM 442 LA mit einer Leistung von 385 kW (523 PS). Daneben wurden auch Motoren von MAN und Scania angeboten. Als Getriebe diente ein ZF S 8-180. Fahren durfte dieser Bus allerdings nur mit einer Ausnahmegenehmigung, die für jedes Bundesland einzeln eingeholt werden musste.


Einer der ersten Megaliner für Deutschland

An Sitzplätzen standen folgende Varianten zur Verfügung:
  • bei 3-Sterne-Ausstattung + 1 Treppe = 91 + 2 + 1
  • bei 4-Sterne-Ausstattung + 1 Treppe = 86 + 2 + 1
  • bei 3-Sterne-Ausstattung + 2 Treppen = 87 + 2 + 1
  • bei 4-Sterne-Ausstattung + 2 Treppen = 82 + 2 + 1

Doch trotz der anfänglichen Schwierigkeiten mit der Ausnahmegenehmigung fanden sich entschlossene Käufer, die diesen Bus in ihrem Fuhrpark integrierten. 1993 war es dann soweit. Mit der 44. Ausnahmeverordnung zur StVZO erhielt dieser Bus seine generelle Zulassung in Deutschland. Dabei sagte die Ausnahmeverordnung folgendes:
Abweichend von § 32 Abs. 3 Nr. 1 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung darf die höchstzulässige Länge über alles von Kraftomnibussen mit zwei Doppelachsen 15,00 m nicht überschreiten. Dies gilt nur für Kraftomnibusse, bei denen
  1. die Mitte der Doppelachsen mindestens 4,00 m voneinander entfernt sind,
  2. alle Achsen gelenkt sind und
  3. die Antriebsachsen mit Luftfederung oder einem als gleichwertig anerkannten Federungssystem nach der Anlage zu dieser Verordnung ausgeführt sind.
An diesen Kraftomnibussen mitgeführte Ladung oder Ladungsträger dürfen nicht über die Länge von 15,00 m nach Satz 1 hinausragen, jedoch bleibt § 32 Abs. 6 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung unberührt; hinter diesen Kraftomnibussen dürfen keine Anhänger mitgeführt werden.

Damit war der Weg frei für den uneingeschränkten Einsatz dieses Busses. Wie erfolgreich dieser Bus war zeigte die Tatsache, das bereits im Jahr 1994 der einhundertste Megaliner verkauft wurde. Dieser Bus ging an die Firma Böhringer in Offenburg.


Der hundertste Megaliner - 1994


Innenansicht des Oberdecks


Innenansicht des Unterdecks

Nachdem die Zulassungshürden beseitigt waren, brachte Neoplan weitere Varianten eines vierachsigen Doppeldeckers heraus. Als erstes stellte man eine Variante vor, die im Unterdeck eine Lounge hatte. Auch dieser Bus war 15 m lang. Er erhielt die Bezeichnung Neoplan Megaspace N 119/4. Ansonsten unterschied er sich nicht weiter von dem Megaliner N 128/4.


Neoplan Megaspace N 119/4 – 1993

Ein vollkommen anderes Modell war der Megashuttle N 4032/4. Bei diesem Bus handelte es sich um einen vierachsigen Doppeldecker in Niederflurbauweise für den Linienverkehr. Er war ebenfalls 15 m lang, 2,50 m breit und 4 m hoch. Er hatte 180 Fahrgastplätze. Davon 100 Sitz- und 80 Stehplätze. Für den Antrieb standen Motoren von Mercedes und MAN mit Leistungen von 199 kW (270 PS) bis 309 kW (420 PS) zu Verfügung.


Ein Neoplan Megashuttle aus der Schweiz für den Linienverkehr zwischen Chur und Igis - 1998

Doch trotz aller Erfolge zeigte sich schon schleichend das Ende dieser vierachsigen Busse ab. 1997 verschwand der Megaspace aus den Verkaufsprospekten. 1998 erging es dem Megashuttle ebenso und im Jahr 2000 war auch der Megaliner aus den Prospekten verschwunden. So wurde nach und nach die Produktion eingestellt. Andere Quellen sagen, die letzten Megaliner wurden 2004 gebaut und waren für Japan bestimmt. Doch was war der Grund?

Ein wichtiger Grund dürfte eine weitere Änderung der StVZO gewesen sein. Sie erlaubte inzwischen, dass Busse mit nur drei Achsen 15 m lang sein durften. Das ermöglichte den Bau von Bussen, die an die Kapazitäten des Megaliners heranreichten. Dazu kam, dass ein vierachsiger Bus technisch aufwändiger war, als ein gleichlanger Bus mit drei Achsen. Außerdem verringerte der Wegfall der vierten Achse den Anschaffungspreis erheblich. Ein anderer Grund war der Verkauf von Neoplan an MAN. Im Zuge der Umstrukturierung wurde die Angebotspalette bei Neoplan erheblich gestrafft und dieser Straffung dürfte auch der Megaliner und der Megashuttle zum Opfer gefallen sein.


Technische Daten - Megaliner (Typenblatt)
Technische Daten - Megashuttle (Typenblatt)

Fotos:
Neoplan
Omnibusarchiv


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